Wieder soll ein Teil Ahrenshooper Kultur verschwinden

Abermals soll ein sowohl baulich als auch kulturgeschichtlich wertvolles Gebäude einem wohnwirtschaftlich unsinnigen Neubau geopfert werden.
Die deutschlandweit anerkannte Künstlerin und Designpionierin Gertrud Kleinhempel (1875-1948), die eine der ersten Professorinnen Preußens war, bewohnte und prägte die rohrgedeckte Büdnerei in Althagen, einem Ortsteil der ehemaligen Künstlerkolonie Ahrenshoop.

Wir erwarten Hilfe seitens der Landesregierung MV, den weiteren Ausverkauf und die unwiederbringliche Vernichtung kulturellen Erbes durch denkmalgerechte Unterschutzstellung zu verhindern.

Weiterhin muss die schützenswerte Substanz unserer Gemeinden unbedingt rechtzeitig erfasst, dokumentiert und bewahrt werden und deren absoluter Vorrang vor Neubauten gelten. Zumal touristische Ausbeutung und Immobilienspekulation angesichts ungelöster Verkehrs- und Infrastrukturprobleme nicht dem Gemeinwohl dienen.

Das für die hier lebende und arbeitende Bevölkerung erfolgreiche touristische Konzept Ahrenshoops - Natur und Landschaft, authentisches Ortsbild und seine künstlerische Vergangenheit und Gegenwart - wird massiv bedroht durch identitätslose, austauschbare "Immobilien".


Das Kleinhempel-Haus

Mit dem im 18. Jahrhundert gebauten Haus würde nicht nur ein Stück Ahrenshooper Geschichte verschwinden. Der geplante Neubau umfasst ein Vielfaches der heutigen Hausfläche. Dies bedeutet mehr Versiegelung und Verlust von Lebensraum für Tierarten, die auf dem Grundstück Heimat gefunden haben.

Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift!

Die Interessengemeinschaft Kulturgut Fischland hat eine Pedition gestartet.
Hier können Sie mit unterzeichnen.

Auf der Seite der Pedition finden Sie zudem weitere Hintergrundimformationen, wie Filmbeiträge oder Zeitungsartikel.

Gertrude Kleinhempel | 1875-1948

Gertrud Kleinhempel wurde in Leipzig geboren und in Dresden erst zur Kunststickerin und später an der Zeichenschule des Frauengewerbevereins zur Zeichenlehrerin ausgebildet. Ab 1895 studierte sie an der Damenakademie der Zeichenschule des Münchner Künstlerinnenvereins, wo sie bis ca. 1898 als kunstgewerbliche Zeichnerin und Illustratorin tätig war.

Anschließend galt ihr Wirken der Möbel-, Schmuck- und Textilgestaltung. Sie arbeitet u. a. für die  Dresdner Wärkstätten für Handwerkskunst und für die Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk in München sowie die Werkstätten für deutschen Hausrat. Nebenbei führte sie Aufträge für Metallarbeiten (Schmuck, Teile des Dresdner Ratssilbers) aus und entwarf Gläser, Spielzeug, Kacheln, Porzellan, Lampen, Textilien, Exlibris und Plakate.

Um 1900 bis ca. 1907 führte sie mit ihren Geschwistern Fritz und Erich Kleinhempel eine Privatschule für Kunstgewerbe in Dresden-Striesen.

Von 1907 bis 1938 war sie Leiterin der Textilklasse an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld. Sie erhielt 1921 als eine der ersten Frauen in Preußen den Professorentitel.

Am 1. April 1938 trat sie in den Ruhestand und zog nach Althagen. Hier lebte die Ausnahmekünstlerin zurückgezogen in dem nun zum Abriss vorgesehenen Büdnerhaus aus dem 18. Jahrhundert bis zu ihrem Tode 1948.

(Quelle: Wikipedia)